Wagnissicherung im Juweliergeschäft

Neue Härten bei den Versicherern

Der Trend, dass sich immer mehr Versicherungsgesellschaften aus dem Juweliergeschäft zurückziehen, ist ungebrochen. Die Schadensituation, die sich seit 1997 mehr als verdoppelt hat, gibt keinen Anlass zur Freude. Es ist auch noch keine Trendwende in Sicht. Im Gegenteil. Die Zahl der Raubüberfälle – meist durch Osteuropäer - nimmt zu. Und dies trifft nicht - wie man zunächst vermuten würde - nur die Top-Juweliere. Auch die kleineren und mittleren sind davon nicht ausgenommen. Die Alte Leipziger als auch Gothaer und Helvetia haben sich Ende 2003 dazu entschieden, keinen Versicherungsschutz mehr für Juweliere zur Verfügung zu stellen. Auch bei den derzeit (!) noch zeichnenden Gesellschaften wie AXA, Allianz, Victoria, Lloyd steht diese Sparte täglich auf dem Prüfstand. Es ist nicht auszuschließen, dass sich in absehbarer Zeit wieder einer der genannten dazu entschließt, die Sparte einzustellen. Bestandsgrößen oder Volumen ist bei derartigen Entscheidungen von sehr geringer Bedeutung.

Die Gesellschaften prüfen nun sehr restriktiv, ob und vor allem welche Risiken man zu welchen Konditionen zeichnen will. Der Versicherer bestimmt nun das Geschehen überwiegend, der Kunde hat keine großen Alternativen mehr. Keine gute Entwicklung für den Juwelier-Einzelhändler.

Worauf achten nun die Versicherer, was fordern sie? Grundsätzlich möchte man nur „Festungen“ versichern. Diese gibt es aber leider nicht so häufig.

Juweliere mit Top-Sortimenten, insbesondere mit einem hohen Anteil hochwertiger Uhren, stehen auf der nicht so gerne genommenen Risikoliste weit oben. Diese sind sehr schadenbelastet. Aber auch hierfür gibt es entsprechende Lösungen.

Gerne zeichnet man Risiken mit einem Versicherungswert für Waren von rd. 400.000,- bis 500.000,- €. Diese verlaufen zumindest derzeit noch relativ unauffällig. Aber auch da achten die Gesellschaften auf eine angemessene Verteilung der Versicherungssummen (s.g. Deklaration im Vertrag).

Das Thema Sicherungen ist so gut wie nicht mehr verhandelbar. Man fordert bzw. setzt bei diesen Risiken einfach voraus, dass die notwendigen Sicherungen vorhanden sind. Dazu gehört insbesondere eine gute Einbruchmeldeanlage nach VDS Klasse C (SG 6), einen adäquaten Tresor, einbruchhemmende Verglasungen (B 1 / EH 1–3) sowie angemessene mechanische Sicherungen (Schlösser, Türanlagen etc.).

Welche Möglichkeiten hat nun der Juwelier? Er sollte generell alles versuchen um einen Schadenfall abzuwenden. Er muss also geeignete Präventivmaßnahmen ergreifen. Wie und in welcher Form kann das erfolgen? Eigentlich ist es relativ simpel, aber für viele aufwendig. Die Auslagen sowohl im Schaufenster als auch im Ladeninneren sollten nach Geschäftsschluss incl. an Sonn- und Feiertagen auf ein Minimum reduziert werden. Das verhindert Einbrüche nachgewiesener Maßen, denn wenn der Täter keine Waren sieht, ist es nicht mehr interessant und der Versicherer ist eher bereit, das Risiko zu zeichnen. Empfehlung an dieser Stelle: zwei Dekorationen vornehmen. Eine für die Zeit während, eine für die Zeit nach Geschäftsschluss.

Da viele Geschäfte über die Jahre gewachsen sind und sich in dieser Zeit auch einiges im Bereich der Sicherungstechnik verändert hat, ist es durchaus empfehlenswert, diese einmal zu checken und ggf. auf den heutigen Stand zu bringen. Hier ist vor allem die Einbruchmeldeanlage (gibt es einen Alarmersatzweg, sind Dualmelder vorhanden etc.) und die mechanischen Sicherungen (Schlösser mit Ziehfix und Aufbohrschutz) zu überprüfen. Ergänzende Maßnahmen sind z. B. Poller vor dem Geschäft (die Städte erteilen hier überwiegend die Genehmigungen), Sichtschutz im Schaufenster, Gitter. Auch der Einsatz von Videoanlagen (die Kamera sollt offen im Laden positioniert werden – der Täter soll sie sehen!) kann Schäden verhindern. Die Kosten sind in der Regel doch recht überschaubar, aber die Maßnahmen sehr wirkungsvoll und effizient. Denn je mehr Sicherungselemente die Täter überwinden müssen, je länger dauert es, bis sie an die Waren kommen. Damit wird der Schaden geringer, was den Versicherer und Sie erfreut. Aber denken Sie daran, wenn Sie Sicherungen verändern diese auch dem Versicherer mitzuteilen. Sonst gibt es unter Umständen Stress im Schadenfall. Bei einer deutlichen Verbesserung kann dies auch eine Reduzierung Ihrer Jahresprämie bedeuten. Sollten Sie bereits von einem Spezialmakler für Juweliere betreut werden, so wird dieser sich mit der zeichnenden Gesellschaft diesbezüglich in Verbindung setzen.

Eine Möglichkeit, die Prämie zu reduzieren, ist eine Selbstbeteiligung je Schadenfall zu vereinbaren. Aber Achtung: Im Schadenfall muss man dies auch noch wissen. Oft führt dies zu Unstimmigkeiten, insbesondere bei kleineren Schäden. Aber sollte dieser denn überhaupt gemeldet werden und damit unter Umständen den Versicherer zur erneuten Risikoprüfung anregen? Je nach Höhe des Schadens sollte man dies unter kaufmännischen Gesichtspunkten abwägen.

Wichtig ist auch, die Mitarbeiter entsprechend zu sensibilisieren. Auch das verhindert Schadenfälle. Last but not least, Sie sollten sich jedes Jahr den Vertrag ansehen und die angegebenen Werte / Summen überprüfen. Die Regulierung kann nur so gut sein wie es der Vertrag auch hergibt. Ein Makler wird bzw. sollte sich bei diesem Gespräch sicherlich nicht nur auf die Summen und Prämien konzentrieren, sondern Ihnen auch Infos zum Thema Sicherungen, Mitarbeiterschulung oder allgemeine Infos rund ums Thema Juwelier geben können.

Insgesamt wird die Realisierung eines angemessenen Deckungskonzepts in Zukunft schwieriger werden.

1. Lösungsansatz

Wer selbst von einer Kündigung betroffen ist oder einen Vertrag bei den o.g. Versicherern unterhält sollte klären, wie lange und unter welchen Auflagen ihm der benötigte Versicherungsschutz weiterhin gewährt wird. Bei anstehender Kündigung sollte dann schnellst möglich ein Alternativversicherer gefunden werden. Daneben ist auch ein Prämiencheck empfehlenswert, da Prämienerhöhungen von über 20% zwischenzeitlich keine Seltenheit mehr sind.

Entsprechende Spezialmakler nenne ich Ihnen auf Anfrage gerne. Also nutzen Sie mein Angebot und nehmen sich Zeit, sich einmal kostenlos und umfangreich beraten zu lassen. Es lohn sich sicherlich!

2. Lösungsansatz

Überprüfung der eigenen Sicherheitsstandards. Den Versicherern wäre hier eine "Bunkeranlage" sicherlich am liebsten. In der Praxis sollten bei anstehenden Umbauten folgende Sicherheitsstandards eingehalten werden:

  • Erfüllung des EH3-Standards des VDS
  • Tresore unter 1t Eigengewicht mit Boden- oder Wandverankerung
  • Innenvitrinen mit Foliensicherung oder Verbundglas
  • Reduzierte Warenlager
  • Deutliche Beschränkung des Warenwerts in den Auslagen
  • Zeitschlösser für Vitrinen, Schaufenster und Tresorzugänge
  • Bodygard, ggf. auch als strategische Lösung mit Unternehmen in der Nachbarschaft
  • ...

Bevor Sie eine spezielle Maßnahme umsetzen sollten Sie auf jeden Fall die Stellungnahme Ihrer Versicherung einholen, das spart Zeit, Geld und Nerven.

Ich wünsche Ihnen weiterhin gute Geschäfte und stehe Ihnen für weitere Fragen oder Anregungen gerne zur Verfügung.

© 25.01.2007, Carsten Geis

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