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Neue Härten im Kreditgeschäft

Wer weniger als 2,5 Millionen Euro Umsatz macht, wird von Kreditinstituten geschnitten: Vorhandene Kredite werden mir nichts dir nichts gekündigt, neue Kreditgesuche abgelehnt. Die Glücklichen, die noch Geld bekommen, zahlen dafür hohe Zinsen und müssen strengen Prüfkriterien standhalten.

Was die Höhe der Zinsen angeht - der Spielraum der Banken ist gerade bei kurzfristigen Kredite enorm. Eine aktuell BBE - Umfrage unter knapp 200 Unternehmern hat ergeben, dass die Konditionen für Kontokorrentkredite momentan zwischen 6 und 11,25 Prozent schwanken. Die Geldhäuser begründen hohe Zinsen meist mit der Bonität des Unternehmens. Sind Sicherheiten unzureichend oder die Bilanzen schlecht, muss ein Risikoaufschlag veranschlagt werden. Besonders dann, wenn die Eigenkapitaldecke dünn ist, wird an der Zinsschraube gedreht.

Zwei-Klassen-System

Einwandfreie Bilanzen garantieren aber noch lange keine niedrigen Zinssätze. Auffällig ist, dass kleinere Handelsunternehmen grundsätzlich schlechter abschneiden. Je umsatzkräftiger das Unternehmen, desto besser sind die Konditionen. Ein Umsatzvolumen von 2,5 Millionen Euro gilt dabei als magische Grenze. Wer darunter liegt, verliert schnell den Status des Geschäftskunden. Günstige Konditionen, kompetente Beratung und schnelle Finanzierungszusagen sind dann passe. Manche Banken trennen sich sogar von solchen Kunden - durch Kündigung aller Verbindlichkeiten.

Die Höhe des Kontokorrentzinssatzes hängt zusätzlich vom Kreditvolumen ab. Für Beträge unter 100.000 EUR zahlen die befragten Händler im Durchschnitt gut 8.5 Prozent Zinsen. Wer einen Kreditrahmen von mehr als 500.000 EUR zur Verfügung gestellt bekommt, muss hingegen nur 7.7 Prozent zahlen. Eine Menge Geld, das kleinere Firmen Quartal für Quartal an die Banken abtreten. Und der Tipp, geschickt zu verhandeln, um einige Prozentpunkte herauszuholen, ist vielfach nichts mehr wert.

Der Umgangston der Bankberater ist härter geworden; was zählt, sind nicht gute Worte, sondern pure Fakten. Und Fakt ist, dass sich mit Kleinkrediten für Mittelständler kaum Geld verdienen lässt. Zu beratungsintensiv, zu riskant, so der Tenor. Gerade die Großbanken haben sich das Shareholder-Value-Prinzip auf die Fahne geschrieben. Und wer seine Anteilseigner bei der Stange halten will, muss mit hohen Renditen glänzen. Investmentgeschäfte oder Kreditvergaben im großen Stile sind einträglicher.

Daher die Tendenz: Keine Geschäfte mit kleineren Unternehmen mehr. Die, wenn auch gescheiterte Elefantenhochzeit von Deutscher und Dresdner Bank untermauert die Zäsur in der Bankenlandschaft. Größe gilt als Zeichen von Macht und Stärke. Hochstimmung bei Börsianern und Bankern - Trauermienen beim Mittelstand, der den Größenwahn bezahlen muss.

Druck von außen

Doch auch Sparkassen und Genossenschaftsbanken bekommen den Druck von außen zu spüren. Sie bewegen sich ebenso auf internationalisierten Märkten und müssen internationalen Richtlinien folgen. Vor allem die Beschlüsse des Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht und die neuen EU-Richtlinien gilt es einzuhalten. Danach sollen die Kreditrisiken künftig anhand von Ratings bewertet werden. Wird ein Kredit als risikoreich eingestuft, wird er nur noch dann gewährt, wenn im Gegenzug viel Eigenkapital vorhanden ist. Doch gerade bei jungen und kleineren Unternehmen gilt die Eigenkapitalquote als Schwachstelle. Was wiederum nicht verwunderlich ist, lassen doch die steuerlichen Rahmenbedingungen eine angemessene Eigenkapitalbildung gar nicht zu.

Das interessiert die Banken recht wenig. Zu viele Insolvenzen haben in der Vergangenheit zu Ausfällen und damit zu herben Verlusten bei den Kreditinstituten geführt. Die Risiken seien unkalkulierbar geworden, hört man aus Bankkreisen. Ratings sollen davor schützen, die Forderung nach hohem Eigenkapital ebenso. Die Kreditvergabe wird abhängig gemacht von nackten Zahlen. Da tritt der persönliche Eindruck des Kreditsuchenden hinter einheitliche Standards zurück, schlechte Bilanzen nivellieren gute Geschäftsbeziehungen.

Harte Zeiten für kleine und mittelständische Händler. Besonders dann, wenn sie ihre Geschäfte in der Vergangenheit überwiegend mit Großbanken abgewickelt haben. In jedem Falle lohnt sich ein Informationsgespräch mit Sparkassen und Volksbanken. Sie können sich den neuen Anforderungen zwar auch nicht entziehen, doch drehen sie den Geldhahn meist nicht ganz zu. Sie erkennen jedoch die Gunst der Stunde: Klopfen zahlreiche neue Kunden an die Tür, kann man es sich leisten, ebenfalls zu sieben - und die Konditionen anzuheben. Die einzige Chance: gut vorbereitet in die Kreditverhandlungen gehen. Wer sich auskennt, wird nicht so leicht übers Ohr gehauen. Eine weitere Alternative: Günstigere Finanzierungswege suchen. Damit die hohen Kontokorrentzinsen nicht zu schwer ins Gewicht fallen. Die Übersichten zum Kontokorrent-, Wechsel- und Lieferantenkredit geben praktische Entscheidungshilfen.

Strenge Gesetze

Billiger als der Kontokorrentkredit ist die Finanzierung per Wechsel allemal. Er gilt sogar als einer der kostengünstigsten Kredite schlechthin. Im Vergleich zum Kontokorrentkredit lassen sich durch die Wechselfinanzierung gut 70 Prozent sparen. Außerdem schonen Sie die Kreditlinie bei der Hausbank.

Wer sich bei der Bank nach den Konditionen für Wechselverbindlichkeiten informiert, sollte vorher einen Blick in die Tageszeitung werfen. Der Diskontsatz war lange Zeit der Richtwert für den Zinssatz eines Wechsels. Damit war der Wechselkredit nicht nur günstig, sondern seine Zinshöhe auch transparent. Die Transparenz leidet aber auch nach dem Wegfall des Diskontsatzes nicht: Heute gilt ein anderer Zinssatz als gute Orientierungshilfe: Die Frankfurter Währungshüter bzw. die Europäische Zentralbank bieten im Rahmen ihrer Liquiditätsbereitstellung für Kreditinstitute im monatlichen Rhythmus so genannte "längerfristige Refinanzierungsgeschäfte mit einer Laufzeit von drei Monaten" an. Dieser Zinssatz wird regelmäßig veröffentlicht. Wer ihn kennt, kann beurteilen, ob die Bank faire Wechselkonditionen anbietet. Hieß es, früher beispielsweise "Diskontsatz plus 1,5 Prozent", so sollten jetzt nicht mehr als 1,5 Prozent auf den Refinanzierungssatz draufgeschlagen werden.

Ist der Wechsel als flexibles und günstiges Finanzierungsmittel auch beliebt, seine Nachteile dürfen nicht vergessen werden: Zum einen die so genannte Wechselstrenge. Wer in Zahlungsverzug gerät, haftet. Die Verwertung von Sicherheiten passiert schnell und in aller Strenge. Zum anderen ist ein Skontoabzug nicht möglich. Und gerade durch Skonti lässt sich eine Menge Geld sparen. Ein Ausweg: Der Umkehrwechsel. Der Ablauf sieht wie foIgt aus:

1. Sie senden Ihrem Lieferanten einen von Ihnen als Bezogener unterschriebenen Wechsel. Dieser unterzeichnet den Wechsel als Aussteller und schickt ihn an Sie zurück.

2. Danach senden Sie dem Lieferanten einen Scheck zur Begleichung der offenen Rechnung. Der Vorteil: Vom Rechnungsbetrag können Sie Skonto.

3. Sie diskontieren den Wechsel bei Ihrer Hausbank. Der Diskonterlös dient zur Deckung des Schecks.

Durch diese Variante des Wechsels haben sie gleich drei Trümpfe in der Hand: Sie können den vollen Skontobetrag von der Rechnungssumme abziehen. Trotzdem wird das Geld nicht sofort vom Kontokorrentkonto abgebucht; der Betrag wird auf dem Konto erst nach einer Laufzeit von - meist - 90 Tagen belastet. So bleiben Sie liquide. Außerdem sparen Sie Zinskosten. Der Wechsel ist schließlich kostengünstiger als der Kontokorrentkredit.

Ihre Bank sieht den Ankauf eines Umkehrwechsels jedoch als Ausweitung des aktuellen Kreditvolumens an. Ohne vorherige Absprachen werden Sie diese Möglichkeit mit der kurzfristigen Finanzierung also nicht ausschöpfen können. Auch ein Gespräch mit dem Lieferanten ist vonnöten. Denn er ist es, der in die wechselrechtliche Haftung einbezogen wird. Nicht jeder Lieferant wird damit einverstanden sein.

Bei Fragen zu diesem hoch interessanten Thema helfe ich Ihnen gerne weiter.

© 29.08.00, Carsten Geis

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