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Neue Härten im Kreditgeschäft

Wer weniger als 2,5 Millionen Euro Umsatz macht, wird von Kreditinstituten geschnitten: Vorhandene Kredite werden mir nichts dir nichts gekündigt, neue Kreditgesuche abgelehnt. Die Glücklichen, die noch Geld bekommen, zahlen dafür hohe Zinsen und müssen strengen Prüfkriterien standhalten.

Was die Höhe der Zinsen angeht - der Spielraum der Banken ist gerade bei kurzfristigen Krediten enorm. Die Geldhäuser begründen hohe Zinsen meist mit der Bonität des Unternehmens. Sind Sicherheiten unzureichend oder die Bilanzen schlecht, muss ein Risikoaufschlag veranschlagt werden. Besonders dann, wenn die Eigenkapitaldecke dünn ist, wird an der Zinsschraube gedreht.

Dadurch, dass der Umweltschutz zunehmend in den gesellschaftspolitischen Fokus gerät, werden Kreditvergaben zunehmend von der Einhaltung der sog. ESG-Kriterien abhängig gemacht.

Zwei-Klassen-System

Einwandfreie Bilanzen garantieren noch lange keine niedrigen Zinssätze. Auffällig ist, dass kleinere Handelsunternehmen grundsätzlich schlechter abschneiden. Je umsatzkräftiger das Unternehmen, desto besser sind die Konditionen. Ein Umsatzvolumen von 2,5 Millionen Euro gilt dabei als magische Grenze. Wer darunter liegt, verliert schnell den Status des Geschäftskunden. Günstige Konditionen, kompetente Beratung und schnelle Finanzierungszusagen sind dann passe. Manche Banken trennen sich von solchen Kunden - durch Kündigung aller Verbindlichkeiten.

Die Höhe des Kontokorrentzinssatzes hängt zusätzlich vom Kreditvolumen ab. Für Beträge unter 100.000 EUR zahlen die befragten Händler im Durchschnitt gut 8.5 Prozent Zinsen. Wer einen Kreditrahmen von mehr als 500.000 EUR zur Verfügung gestellt bekommt, muss hingegen deutlich weniger bezahlen. Eine Menge Geld, die kleinere Firmen Quartal für Quartal an die Banken abtreten. Und der Tipp, geschickt zu verhandeln, um einige Prozentpunkte herauszuholen, ist vielfach nichts mehr wert.

Der Umgangston der Bankberater ist härter geworden; was zählt, sind nicht nur gute Worte, sondern pure Fakten. Und Fakt ist, dass sich mit Kleinkrediten für Mittelständler kaum Geld verdienen lässt. Zu beratungsintensiv, zu riskant, so der Tenor. Gerade die Großbanken haben sich das Shareholder-Value-Prinzip auf die Fahne geschrieben. Und wer seine Anteilseigner bei der Stange halten will, muss mit hohen Renditen glänzen. Investmentgeschäfte oder Kreditvergaben im großen Stile sind einträglicher.

Da auch die Banken in absehbarer Zeit CO2-neutral sein wollen / sollen, werden Kreditvergaben von der Erfüllung sog. ESG-Kriterien abhängig gemacht. Da wird mitunter ein Nachweis über die gesamte Lieferkette incl. späterer Entsorgung gefordert.

Daher die Tendenz: Keine Geschäfte mit kleineren Unternehmen mehr - Existenzgründer sind unerwünscht. Größe gilt als Zeichen von Macht und Stärke. Hochstimmung bei Börsianern und Bankern - Trauermienen beim Mittelstand, der den Größenwahn bezahlen muss.

Druck von außen

Doch auch Sparkassen und Genossenschaftsbanken bekommen den Druck von außen zu spüren. Sie bewegen sich ebenso auf internationalisierten Märkten und müssen internationalen Richtlinien folgen. Vor allem die Beschlüsse des Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht und die neuen EU-Richtlinien zum Umweltschutz gilt es einzuhalten. Danach werden die Kreditrisiken anhand von Ratings bewertet. Wird ein Kredit als risikoreich eingestuft, wird er nur noch dann gewährt, wenn im Gegenzug viel Eigenkapital vorhanden ist. Doch gerade bei jungen und kleineren Unternehmen gilt die Eigenkapitalquote als Schwachstelle. Was wiederum nicht verwunderlich ist, lassen die steuerlichen Rahmenbedingungen eine angemessene Eigenkapitalbildung gar nicht zu und bestimmte geistige Produktivleistungen dürfen nach deutschem Recht nicht bilanziert werden.

Das interessiert die Banken recht wenig. Zu viele Insolvenzen haben in der Vergangenheit zu Ausfällen und damit zu herben Verlusten bei den Kreditinstituten geführt. Die Risiken seien unkalkulierbar geworden, hört man aus Bankkreisen. Ratings sollen davor schützen, die Forderung nach hohem Eigenkapital ebenso. Die Kreditvergabe wird abhängig gemacht von nackten Zahlen. Da tritt der persönliche Eindruck des Kreditsuchenden hinter einheitliche Standards zurück, schlechte Bilanzen nivellieren gute Geschäftsbeziehungen.

Harte Zeiten für kleine und mittelständische Händler. Besonders dann, wenn sie ihre Geschäfte in der Vergangenheit überwiegend mit Großbanken abgewickelt haben. In jedem Fall lohnt sich ein Informationsgespräch mit Sparkassen und Volksbanken. Sie können sich den neuen Anforderungen zwar auch nicht entziehen, doch drehen sie den Geldhahn meist nicht ganz zu. Sie erkennen jedoch die Gunst der Stunde: Klopfen zahlreich neue Kunden an die Tür, kann man es sich leisten, ebenfalls zu sieben - und die Konditionen anzuheben oder die Kreditvergabe vom Abschluss eines Bausparvertrags oder einer Kapitallebensversicherung abhängig zu machen. Die einzige Chance: gut vorbereitet in die Kreditverhandlungen gehen. Wer sich auskennt, wird nicht so leicht übers Ohr gehauen. Eine weitere Alternative: Günstigere Finanzierungswege suchen. Damit die hohen Kontokorrentzinsen nicht zu schwer ins Gewicht fallen. Die Übersichten zum Kontokorrent-, Wechsel- und Lieferantenkredit geben praktische Entscheidungshilfen.

Strenge Gesetze

Im Rahmen der Digitalisierung und Organisationsentwicklung ist die günstige Wechselfinanzierung quasi nicht mehr am Markt anzutreffen. Mit dem Wegfall des Diskontsatzes ist ein guter Orientierungswert verloren gegangen, um die Kondition kurzfristiger Finanzierungen einschätzen zu können. Die Frankfurter Währungshüter bzw. die Europäische Zentralbank bieten im Rahmen ihrer Liquiditätsbereitstellung für Kreditinstitute im monatlichen Rhythmus sogenannte "längerfristige Refinanzierungsgeschäfte mit einer Laufzeit von drei Monaten" an. Dieser Zinssatz wird regelmäßig veröffentlicht. Wer ihn kennt, kann beurteilen, ob die Bank faire Konditionen anbietet. Hieß es, früher beispielsweise "Diskontsatz plus 1,5 Prozent", so sollten heute nicht mehr als 1,5 Prozent auf den Refinanzierungssatz aufgeschlagen werden.

Im Ergebnis müssen erfolgreiche Bankgespräche gut vorbereitet sein, gilt es doch die Unternehmensliquidität nachhaltig zu sichern und interessante Wachstumsprojekte voranzutreiben. Bei Fragen zu diesem hoch interessanten Thema helfe ich Ihnen gerne weiter.

 

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